Im Herbst liegen in Norwegen mehrere Jahreszeiten nah beieinander. In den Tälern stehen die Birken noch grün; je höher die Straße führt, desto stärker treten Gelb und die ersten Herbstfarben hervor. Weiter oben liegen schon Schneefelder in den Flanken. Dazwischen führen nasse Straßen durch Fels, Moor und weite Täler. Auf dieser Strecke treffen Lovatnet, der Gamle Strynefjellsvegen bei Grotli und der Blick über den Geirangerfjord aufeinander.

Lovatnet
Am Lovatnet wird es still. Das helle Wasser liegt zwischen steilen Bergen, am Ufer stehen die Birken in ihrem letzten kräftigen Gelb. Eine einzelne Person am Rand des Sees macht sichtbar, wie groß diese Landschaft ist – und wie wenig es braucht, um hier einfach stehen zu bleiben.
Hochland bei Grotli
Der Gamle Strynefjellsvegen führt in eine andere Welt. Die Straße steigt hinauf in eine offene, raue Landschaft, in der der Herbst nicht langsam kommt, sondern dem Winter fast schon Platz macht. Zwischen Felsen, kleinen Wasserläufen und den ersten weißen Gipfeln wirkt alles weit und ungeschützt.

Hier oben fallen die kleinen Dinge besonders auf. Wollgras steht hell in der feuchten Erde und bewegt sich im Wind. Daneben liegen Flechten zwischen dunklen Zweigen und roten Blättern. Es sind keine großen Motive, aber sie gehören genauso zu diesem Ort wie die Berge im Hintergrund.



Goldener Herbst, erster Schnee
Am Gamle Strynefjellsvegen treffen die Jahreszeiten direkt aufeinander. Je höher die Straße führt, desto deutlicher werden die gelben Herbstfarben in den Birken, während darüber bereits Schnee liegt. Das tiefe Licht gibt den Bäumen eine fast unwirkliche Wärme und färbt zugleich die kühlen weißen Gipfel im Hintergrund.

Blick über den Geirangerfjord
Später öffnet sich die Landschaft und der Blick fällt weit hinunter zum Geirangerfjord. Von oben wirkt der Fjord fast ruhig, doch die steilen Hänge, das enge Tal und die kleinen Häuser am Wasser zeigen, wie groß der Höhenunterschied wirklich ist. Nach den offenen Flächen am Strynefjellsvegen wirkt dieser Blick noch einmal intensiver.

Zum Schluss bleibt das Bild eines stillen Bergsees: ein Ruderboot am Ufer, Wolken über den Gipfeln und eine Landschaft, die sich nicht erklären muss. Im Gedächtnis bleibt die Folge dieser Kontraste – das Wasser des Lovatnet, Wollgras zwischen Felsen, goldene Birken unter Schnee und der weite Blick über den Geirangerfjord.
